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Unteroffizier Alfred Hoffmann “Vermisst in Witebsk” Soldatenbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg In der Zeit vom 25. Juni 1941 bis 07. Juni 1944 Vorwort In der folgenden Zusammenstellung der Soldatenbriefe aus dem zweiten Weltkrieg handelt es sich um Dokumente aus der Zeitgeschichte. Deshalb wurden die Inhalte originalgetreu übernommen und keine Veränderungen am Stil und in der Grammatik vorgenommen. Auch auf eine Korrektur nach den neuen Rechtschreibregeln wurde bewusst verzichtet, um die Authentizität dieser schriftlichen Zeugen des Zeitgeistes zu gewährleisten. Aus den vorgenannten Gründen ist eine politische Wertung aus der heutigen Sicht nicht beabsichtigt. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch nicht entgehen, welches unermessliche Leid das Zusammenwirken der verbrecherischen Ideologien von Nationalsozialismus und Kommunismus über das deutsche und die Völker der Sowjetunion gebracht haben. Im Osten 25.6.1941 Im Osten 4. Juli 1941 Im Osten 7.7.1941 Rußland 14.3.1944
| Im Osten, den 25.6.1941 Liebe Eltern! Lange habe ich nichts von mir hören lassen, doch regt Euch nicht auf. 1. ist unser Feldpostamt noch nicht da, 2. ist auch keine Zeit zum Schreiben. Also nehmt es mir nicht übel. Aber jetzt mal hübsch der Reihe nach. Am Freitag Abend fuhren wir mit der Bahn ab unserer alten O.U. 3 Tage waren wir unterwegs, kamen in ein gottverlassenes Nest am Montag, von wo wir jetzt wieder abrücken. Sonst kann ich Euch nichts erzählen. Grüße Reni, der ich auch mal bei Gelegenheit Schreiben muss. Schickt mir ein Fläschchen Salmiakgeist, da sehr viel Stechmücken hier sind. Nun seid sehr herzlichst gegrüßt und geküsst von Eurem Alfred Sendet mir bitte noch einen Block Briefpapier, Umschläge und Zigaretten und Filme.
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Im Osten, den 4.Juli 1941 Liebe Eltern!! Schnell vor der Weiterfahrt noch einige Zeilen an Euch. Gestern abend erhielten wir endlich Post und so gelangte ich in den Besitz von Euren Brief vom 19.v.M. Ich entnahm daraus, dass es Euch allen noch gut geht, was ich auch von mir berichten kann. Ihr wußtet in dem Brief noch nichts von unserem Fortkommen. Mutti hat es aber 2 Tage später erfahren. Auch mußte mein Brief 56 Samstags dort eintreffen, ebenso das Expressgut. Paul wird ja wahrscheinlich auch im Osten hängen. Ich schrieb ihm neulich an seine alte Adresse. Schade dass man nicht weiß, wo und bei was er steckt. Genau wie bei Willi. Jetzt sind wir 3 hier im Osten. Ob es der Zufall will, dass ich einen von den beiden mal sehe? Aber es ist höchst unwahrscheinlich. Wie ist das eigentlich mit der Partei. Du als Blockleiter müsstest doch auch mit der Päckchenfrage etwas genauer Bescheid wissen. Ich bin gegen Süßigkeiten, Plätzchen und Bonbon nicht abgeneigt und kann auch hier zum Zeitvertreib so etwas gebrauchen. Biss zum 23. vorigen Monats habe ich die Zeitungen nun auch bekommen. Auch hoffe ich, dass Ihr inzwischen alles gewünschte abgesandt hat, denn mit der Zeit fressen einen die Schnaken hier auf. Sonst habe ich für heute nichts zu berichten. Seid alle recht herzlichst gegrüßt und geküsst von Eurem Alfred Im Osten, den 7.7.1941 Liebe Eltern! Es ist eben 19.50 Uhr und wir haben Post erhalten. Auch von Euch kam ein Brief v.28.6. an, natürlich ohne Nummer. Das Päckchen mit der Butterdose traf bis jetzt noch nicht ein, doch hoffe ich, dass es bald mit dem kaputten Feldpostwagen eintrifft. Ihr dürft ja nur 100 gr – Päckchen senden, es werden also, wenn Ihr allen meinen Wünschen nachkommt, viele kleine Päckchen in nächster Zeit ankommen müssen. Aus Eurem Schreiben entnahm ich, dass es Euch noch gut geht, was ich auch von mir berichten kann. Liebe Mutsch! Rege Dich doch nicht unnötig auf. Du mußtest doch auch bedenken, dass bei uns genau dieselbe Postsperre war als bei Euch, auch sonst nicht so schwarz sehe. An Sondermeldungen hat es ja nun genug gegeben und ihr erseht daraus, dass auch das ein Blitzkrieg ist. Den halben Weg nach Moskau haben unsere Kameraden schon hinter sich. Die sowjetrussischen Armeen an der Grenze sind vernichtet oder eingekesselt, die Befestigungslinie durchbrochen. Ein Halten wird es wohl nicht mehr geben. Diesen Angriff wird niemand mehr aufhalten. Ich glaube, dass Mitte bis Ende nächsten Monats auch dieser Gegner völlig geschlagen ist. Nun ist aus dem deutschen Krieg gegen England doch ein europäischer Krieg gegen England geworden, denn letzten Endes sind die Divisionen, sei es Finnen, Spanier, Dänen, Schweden, Rumänen, Slowaken u.s.w., die gegen Russland marschieren, auch Kämpfer gegen England. Lieber Papa! Dass wir kein Wasser trinken, darüber sei unbesorgt. Wir wissen wie falsch und hinterlistig sowjetische Parteifunktionäre sind, die vor nichts zurückschrecken. Doch jeder bekommt seine Lohn. Da gibt es keinen Gefangenen. Ich will nun schließen in der Hoffnung, dass Euch dieser Brief so gesund erreicht, wie er mich verlässt. Seid alle recht herzlichst gegrüßt und geküsst von Eurem Alfred Russland, den 14. III 1944 Meine lieber Dicker! In den Tagen, wo ich hier vorne eingesetzt bin, erhielt ich nach und nach deine Zeilen 106 - 112, sowie der kurzen Mitteilung auf dem Dienstwege, von der Nachricht, dass Du auf Urlaub fährst. Es ist halt Pech, was wir haben. Aber wenn Du auf dem Geschäftssommer warst in So, dann war da doch gar nicht allzuweit unser \. I - weg und der Uffz.hätte dann schon einen kurzen Funkspruch durchgegeben, dass ich mal nach dort kommen soll. Übrigens ist Wo. wo ich bin, von So. nur knapp 2 km entfernt. Was heißt hier, sei ja vorsichtig. Wen's treffen soll, den triffst, ob er jetzt hinten beim Tross ist oder ganz vorne. Natürlich brauch man sich nicht frei hinzustellen, wenn der Pan knallt wie ein Wilder. Man kann das Seine auch dazu beitragen. Aber worin Du gelegen hast, das waren doch nur vereinzelte Schüsse. Dass ich so lange nicht schrieb, hast du Dir selbst zu zuschreiben, hast Du doch immer wieder betont, dass man Dir nicht schreiben sollte. Ich hätte Dir auch ohne Weiteres die Päckchen ins Lazarett nachgesandt, aber immer wußte man nicht, ob Du nicht doch schon wieder weg bist. Lieber Bruder!! Wie geht s nun Dir? Wenn Dich dieser Brief erreicht, ist der Urlaub schon fast herum. Hast Du Dich denn ordentlich erholt? Die Zeit tüchtig ausgenützt? Hast Du auch geflirtet? Oder immer noch so ein Weiberfeind? Ich will nun schließen und wünsche Dir den Rest Deiner Urlaubstage noch recht, recht gute Erholung. Kennst Du einen Uffz. Sowert? Er ist von Deiner Kompanie und wohnt in der Ellenbogengasse. Ihn traf ich dieser Tage. nun nochmals alles Gute. Sei recht herzlichst gegrüßt und geküsst von Deinem Bruder Alfred
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