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Obergefreiter Siegfried Horn: Wenn der elende Krieg bald aus wäre. Vorwort Als der Krieg die Familien auseinanderriß, wurde die Feldpost zum Vermittler zwischen Ehegatten, Geschwistern, Müttern und Vätern sowie deren Söhnen. Siegfried Horn aus Großröhrsdorf (Oberlausitz), wurde 1941 aus seiner Familie gerissen und zunächst zum Reichsarbeitsdienst und später zum Militärdienst verpflichtet. Die Sorge um ihn, sein Leben und seine Gesundheit wuchs bei seinen Eltern, Alfred und Minna Horn, je länger der Krieg dauerte. Und das um so mehr, als ihr jüngerer Sohn Manfred in Lettland gefallen war. In ihren Briefen kommt immer wieder zum Ausdruck: "Wenn der elende Krieg bald aus wäre und Du gesund wieder nach Hause kommst." Auszug aus den Briefen:
Im Osten, den 26.9.1941 Liebe Eltern, Bruder und Mutter! Heute, Freitag, sollt auch Ihr wieder einen Brief erhalten. Das Wetter ist ja heute nicht gerade schön. Trüb ist es, und allen Anschein wird es wohl noch regnen. Gestern und vorgestern war ich nun den ganzen Tag unter-wegs und habe für die Kantine eingekauft. Tausend Mark eingesteckt. Kutscher und Wagen mitgenommen und losge-zogen. Nun mußte ich natürlich erst immer mehrere Stellen durchkämmen, ehe ich etwas erreichte. Erst Feldkomman-dantur, dann Ortskommandantur, dann auf die Dienstzahl-meisterei usw. Ständig zwischen Offizieren herumhandeln. Könnt Ihr mich da verstehen? Ständig immer stramm stehen und bitten um Ware. Geld spielt ja keine Rolle. Es hat sich aber gelohnt. Ich habe 200 l Bier erwischt. Ferner noch Kleiderbürsten, Schuhbürsten usw. Nächste Woche kriege ich dann Rauchwaren. Gestern Abend haben wir schon ein kleines Faß von den 200 l ausgesoffen. Es waren bloß 36 l drin. Dies bezahlt alles der Oberfeldmeister. Doch das Bier hatte eine ganz schöne Wirkung. Mein Freund und ich, wir waren froh, als wir unser Bett (Feldbett) gefunden hatten. Denn es drehte ganz schön im Kopf. Man verträgt doch rein gar nichts mehr, wenn man so lange von zu Hause fort ist und nicht fortgegangen ist. Heute sind es gerade 33 Wochen, seit ich von Euch fort bin. Wie ich den Satz gerade geschrieben habe, war es gerade 12.45 Uhr. Denn damals vor 33 Wochen bin ich um 12.45 Uhr mit dem Koffer in der Hand und Hilde zum Bahnhof gegangen. Wann wird der Tag kommen, wo ich mit Hilde vom Bahnhof nach Hause komme? Hoffentlich bald. Für heute will ich schließen. Post ist noch keine angekommen. Es grüßt Euch herzlich aus weiter Ferne Euer dankbarer Sohn und Bruder Siegfried Bretnig, den 29.10.1941  | Mein lieber, herzensguter Siegfried! Heute, am Mittwoch, möchte ich Dir, mein herzliebster Siegfried, noch ein paar Zeilen schreiben. Mein innigst geliebter Siegfried! Ich freue mich mit Dir riesig auf unser baldiges Wiedersehen in der wunderschönen Heimat. In sonnigen Wochen werden wir die glücklichsten Menschen auf der Welt sein. Wie wird das herrlich werden. Schon die große Vorfreude macht mich überglücklich, Gestern hatte doch Dein lieber Vater Geburtstag. Am Abend habe auch ich ihm die Glückwünsche überbracht. Gemeinsam haben wir Deinem lieben Vater ein paar Unterhosen und ein Alpenveilchenstock geschenkt. Von allen Seiten war Dein lieber Vater reichlich beschenkt worden. Familie Meißner und Schurig waren auch bei Euch zur Geburtstagsfeier. Deine liebe Mutter hatte einen wunderbaren Geburtstagskuchen selbst gebacken. Ein Kartoffelkuchen mit Marmelade, der ganz ausgezeichnet schmeckte.
Als ich dann nach Hause fahren wollte, hörten wir Flieger in der Luft herumsausen. Der Fliegeralarm hat vielleicht reichlich eine halbe Stunde gedauert. Zum Schluß wünsche ich Dir, mein treuer Schatz, noch eine recht gute Nacht, schlafe wohl und träume süß von mir. Auf unser baldiges, frohes und gesundes Wiedersehen. Deine liebe, gute und treue Hilde Herzliche Grüße von Familie Frömmel. |
Großröhrsdorf, den 2.10.1942 Lieber Siegfried! Heute endlich wollen wir Deine liebe Post beantworten, welche wir gestern und heute erhielten. Lieber Siegfried, soeben haben wir wieder vom Rundfunk auf die Grüße von Sender Belgrad gehorcht, aber wieder vergebens. Wir bekommen den Sender nicht jeden Abend. Aber wir glauben, daß wir die Grüße noch nicht verpaßt haben. Nun, wir lauschen morgen wieder. Wir glauben es Dir gerne, daß es auf Deinem Lager sehr hart ist. Ich habe es ja jahrelang mitgemacht, dieses elende wilde Leben. Wir können nur wünschen und hoffen, daß der schreckliche Krieg bald mal ein Ende nimmt. Dann kommt auch Ihr wieder nach Hause. Daß Manfred zu Hause ist, hast Du nun gewiß erfahren, auch wie es ihm ergangen ist. Es ist schön, da er jetzt zu Hause ist. Noch schöner wäre es, wenn auch Du mit da wärst, zumal wir am Sonnabend Kirmes haben. Kießlings Eltern haben wir eingeladen, ob sie kommen, ist noch unbestimmt. Denn Klara hat einen bösen Fuß. Manfred muß am Montag, den 5.10. wieder zum Reichsarbeitsdienst, und zwar nach Kamenz, Sammeltransport. Manfred war nochmals in Kamenz beim Arbeitsführer und hat ihm das Schreiben gezeigt vom Gau, daß er nicht mehr als Führeranwärter eingestellt wird. Er trifft nun als Arbeitsdienstpflichtiger ein und soll sich dort gut bewähren, um nach 7 bis 8 Wochen seinen Wunsch dort anbringen zu können. Wird es abgewiesen, so geht dann ein Gesuch an den Reichsarbeitsdienstführer zu machen. Doch bis dahin hast Du vielleicht auch etwas Näheres erfahren. Wir sind nun neugierig, wie es dort sein wird und ob er die Ausbildung nochmals mitmachen muß. Manfred fürchtet sich nicht davor, er will ja noch etwas werden. Urlaub wird es von dort wohl keinen geben. Es läßt sich nun gut mit Manfred reden, er ist viel ruhiger geworden. Lieber Siegfried, am Mittwoch waren wir bei Deiner Hilde zum Geburtstag. Es gab Kaffee und Kuchen. Ich habe 1 ½ h eher mit Arbeiten aufgehört, um abends nicht zu spät nach Hause zu kommen, auch Manfred war mit. Bei Frömmels sind wir nun sitzen geblieben, um den Sender Belgrad zu hören. Doch leider war er nicht zu hören durch die Führerrede. So kamen wir erst nach 23.00 Uhr nach Hause. Wintermäntel und Mantelstoff sind noch nicht freigegeben. So haben wir es ihr nur können sagen, sobald sie frei sind, geht die Mama mit Hilde einkaufen. Morgen schicken wir Dir ein paar Päckchen mit Salz ab und das Zweipfundpäckchen mit den Wintersachen folgt in den nächsten Tagen. Sei recht herzlich gegrüßt von Deinen lieben Eltern, Manfred und Mutter Auf ein recht baldiges Wiedersehen in der Heimat.
Großröhrsdorf, den 27.10.1944 | Unser lieber Siegfried! Gestern erhielten wir Deinen lieben Brief vom 22.10. und heute vom 24.10., für beide recht herzlichen Dank. Lieber Siegfried, besonders danke ich für die Gratulation und die schönen Wünsche und Worte zu meinem Geburtstag. Wir wollen hoffen, daß all die guten Wünsche in Erfüllung gehen. Unser lieber Manfred würde mir dasselbe wünschen, wenn er noch könnte. Der gute Junge ruht nun schon über drei Monate in fremder Erde. Man empfindet es an solchen Tagen besonders schwer. Alle Liebe und alles Gute sind durch den grausamen Krieg zerstört, und noch ist kein Ende dieses gräßlichen Mordens zu sehen. In den Tagen vom 29.10. bis 1.11. müssen wir uns zum Volkssturm melden und werden in den kommenden Sonntagen die Ausbildung über uns ergehen lassen müssen. Lieber Siegfried, Näheres erfährst Du noch zu gegebener Zeit. Morgen ist nun der Geburtstag heran. Ich bleibe morgen von der Arbeit zu Hause. Da ich am Sonntag Luftschutzwache hatte, habe ich sechs Stunden vorgearbeitet. So wollen wir morgen früh einmal in die Pilze gehen. Nachmittags will Lisa mit Monika kommen. Am Sonntag sollen wir nach Kleinröhrsdorf zur Kirmes kommen. Die Mama hat ja keine Lust, aber Lisa zu Liebe werden wir wohl gehen müssen. Ob Hilde mitgeht oder nach Hause fährt, wissen wir noch nicht. Wenn Du nur recht lange in Wien bleiben könntest, da der elende Krieg nicht aufhört. Post hast Du nun gewiß von uns erhalten. Heute wollen wir schließen. Es wird jetzt gebadet. So sei recht herzlich gegrüßt von Deinen lieben Eltern. Viele Grüße von Deiner Hilde |
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