weiter

Sammeln von Feldpostbelegen aus dem Zweiten Weltkrieg

von Gerwalt Brandstötter
mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift “Die Briefmarke” Ausgabe 3/2003

Das Sammeln von Feldpostbriefen und Feldpostkarten aus dem Zweiten Weltkrieg ist eine sehr interessante Thematik. Wenn man es richtig betreiben will, ist es auch leider sehr aufwendig und zum Teil kostenintensiv.
Der Anteil an Sammlern in Österreich dürfte nicht besonders hoch sein und es kennen sich auch nur ganz wenige persönlich.
Ich sammle seit meiner Kindheit Briefmarken, wobei sich das im Wesentlichen auf Österreich und Deutschland bezieht. Bei einer Briefmarkenausstellung vor etwa 15 Jahren war eine Sammlung von Feldpostbelegen ausgestellt, und diese hat mich irgendwie fasziniert.
Ich hatte aus meiner Familie einen kleinen Stoß von Briefen und Karten und wußte mit diesen nichts Besonderes anzufangen. Glücklicherweise hatte ich bei jenen Belegen, die auch Marken aufwiesen, diese nicht in der Jugendzeit abgelöst.

Was aber das Sammeln von Feldpostbelegen bedeutet, mußte ich mir erst erarbeiten.
Der erste Schritt
, den ich tat, war, daß ich mir einen MICHEL-Feldpostkatalog im Fachhandel kaufte. Daraus konnte ich erkennen, worum es im Wesentlichen ging und wie vielfältig dieses Sachgebiet ist
Einer der nächsten Schritte war , daß ich der deutschen Arbeitsgemeinschaft 1939/45 e.V. als Mitglied beitrat. Hier erhielt ich einige Rundbriefe der Vergangenheit zum Einstieg und laufend die weiteren. Daraus konnte man sich ein Bild machen, was da alles so auf einen zukommt.

Feldpostbelege werden in vielen Familien auch heute noch vorhanden sein, und alle, die sich mit der Philatelie befassen, werden vermutlich auch einige Briefe und Karten aus dem eigenen Familienkreis besitzen. Diese sollte man als Sammler, auch wenn man diese nicht sammelt, doch in Ehren halten.
Für die Aufbewahrung von Feldpostbelegen gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Die Methode richtet sich danach, wieviel Zeit und Geld man dafür investieren möchte.

Diesem Kapitel möchte ich breiteren Raum widmen und meine Sammelmethode vorstellen.

Feldpostbelege zu bekommen ist für einen, der neu zu sammeln beginnt, oft gar nicht so einfach . Ich habe festgestellt, daß im Briefmarkenhandel nur wenig Material zu bekommen ist und daß viele Händler von dieser Thematik nichts verstehen und daher auch nichts damit zu tun haben wollen.
Auch die Bewertung bereitet oft Probleme , daher wird oft versucht. viel zu teuer zu verkaufen.
Bis vor einigen Jahren konnte man Feldpostbelege sehr günstig im Altwarenhandel erwerben, der sie oft aus Wohnungsräumungen hatte. Mittlerweile sind diese Händler aber auch größtenteils darauf aus, möglichst hohe Preise zu erzielen, und viele geben ihr Material in Auktionshäuser.

Hier gibt es in Österreich schon einige, die in ihren Katalogen bei jeder Auktion mehrere Posten Feldpostbelege anbieten. Das Material kann jedoch sehr unterschiedlich sein, und es ist ratsam, die Lose vorher zu besichtigen. Oft sind die Lose aufgemischt, was zwar grundsätzlich richtig ist und dem Sammler Freude macht. Wenn jedoch von einer Feldpostnummer oder Adresse 150 Belege vorhanden sind, dann ist meistens die Enttäuschung groß.
Es kann natürlich sein, daß eine Serie von Briefen mit lesbarem Inhalt durchaus eine interessante Sache ist, die sich lohnt, zu sammeln und aufzuarbeiten. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht der Fall.
Bei den Auktionen sind auch extrem gute Belege und auch teure Spezialitäten dabei, hier muß man aber schon bereit sein, Geld zu investieren, sonst wird man an solche Belege nicht herankommen.
Im privaten Bereich ist es mittlerweile immer schwieriger, an Belege zu kommen. Jene, welche noch Korrespondenz aus dem Zweiten Weltkrieg besitzen, wollen sich oft aus familiären Gründen nicht davon trennen. Andere glauben, übervorteilt zu werden, und geben sie oft lieber in den Altpapiercontainer.

Eine sehr gute Möglichkeit, zu Belegen zu kommen, ist das Internet. Bei einigen Auktionsprogrammen, an der Spitze Ebay , gibt es einen großen Briefmarkenteil, unterteilt in alle Fachgebiete. Hier kann man weltweit handeln. Auch von der Preisseite her kann das sehr interessant sein. Es war mir schon möglich, viele gute Stücke zu guten Preisen zu erwerben, aber auch zu verkaufen.

Bei Tauschveranstaltungen von Vereinen oder Händlerbörsen ist es natürlich auch möglich, zu Material zu kommen. Meistens habe ich aber festgestellt, daß Tauschpartner immer in der Vorstellung leben, übervorteilt zu werden. Oder sie sind bestrebt, dies selber zu tun, weil Sie glauben, daß gerade ihr Material etwas Besonderes ist.
Dies kann durchaus der Fall sein, aber beim Feldpostsammeln ist dies in vielen Fällen nicht gleich bewertbar. Die Optik alleine sagt über den Wert eines Feldpostbriefes wenig aus. Natürlich können ein oder mehrere schöne Stempel und Vermerke einen guten Wert ergeben.
Die Bewertung von Feldpostbelegen ist ein sehr heikles Thema. Das Hauptwerk zur Beurteilung des Belegwertes ist natürlich der MICHEL-Feldpost-Katalog. Er wurde 2002 wieder aktualisiert und mit Euro-Preisen versehen. Beurteilt werden in erster Linie die postalischen Merkmale, und auch diese sind oft nicht einfach auf einem Beleg zu erkennen bzw. nachzuweisen.

Der tatsächliche Wert eines Feldpostbeleges setzt sich aus mehreren Kriterien zusammen:

      • Bewertung der postalischen Kennzeichen laut MICHEL
      • Zustand des Briefes oder der Karte,
      • Lesbarkeit der Stempel und Vermerke,
      • Entschlüsselung des Beleges mit Angabe des Absenders oder Empfängers,
      • das geschichtliche Geschehen zu diesem Zeitpunkt an diesen Standorten,
      • lesbarer Inhalt mit eventuell wichtigen zeitgeschichtlichen Aussagen,
      • Brieflauf Front-Front, Front-Heimat oder Heimat-Front,
      • Aufgabeort bzw. Wohnort des Empfängers
      • allfälligen Zusatzvignetten,
      • offene Fragen.

hier geht es weiter