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Das letzte Kapitel des Zweiten Weltkrieges:
Deutsche Kriegsgefangene in sowjetischer Hand
Ein Beitrag zur Geschichte unserer Heimat
von Wolfgang Kegel, Teltow 2006
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Den Toten ihren Namen wiedergeben
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59
Jahre nach
Kriegsende
bekam ich eine
Kriegsgefangenenkorrespondenz
von Konrad
(Radl)
Siebenhorn aus
Fürth in
Bayern. Sie
zeigen ein
Schicksal, wie
es der Krieg
vielen
Namenlosen
auferlegt hat.
Die
Korrespondenz
besteht aus 29
Kriegsgefangenenkarten.
Konrad (Radl) war als Kriegsgefangener in Achtme und Kochtla-Jarve.
(Achtme: estn. Ahme, Kochtla-Jarve: estn. Kohtla-Järve, dt. Kochtel - Die zwei Lager liegen in der Westregion).
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Konrad
(Radl)*
Siebenhorn
geb. am 6.6.1925 in Fürth in Bayern.
Truppenteil:
Grenadier
Regiment
754
Feldpost Nr.: 11204
Beruf: Steinmetz
Familienstand: ledig
Gefangenschaft:
am
9.5.45
C.S.R.
Tschaslau
Entlassen: 20.6.48
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Briefe
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Frankreich, den 10. Mai 1941
Jetzt
wird
es
ja
auch
mal
wieder
Zeit,
dass
ich
an
Dir
ein
paar
Zeilen
schreibe.
Die
letzte
Zeit
vor
unserer
Abfahrt
nach
Frankreich
habe
ich
in
Perleberg
so
viel
zu
tun
gehabt,
dass
es
mir
nicht
möglich
war
zu
schreiben.
Nach Ostern waren unsere Tage in Perleberg gezählt.
Am
1.
Mai
wurden
wir
dann
auch
verladen,
und
um
½ 6
Uhr
nachmittags
ging
es
nach
Frankreich
runter.
Auf
dem
Bahnhof
war
ganz
Perleberg
erschienen
um
uns
zum
Abschied
ein
letztes
Mal
zuzuwinken.
Nach
einer
Bahnfahrt
von
4
Tagen
kamen
wir
dann
unserem
Bestimmungsort
im
sonnigen
Süden
von
Frankreich
an.
Wir
liegen
gar
nicht
weitab
von
der
spanischen
Grenze.
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Frankreich, den 30. November 1942
Wer
weiß
wie
lange
es
jetzt
noch
dauern
wird,
wo
jetzt
die
Franzosen
auch
wieder
Verrat
an
uns
üben
wollen.
Jetzt
haben
wir
auch
noch
ihr
freies
Gebiet
besetzt,
und
mit
der
Freundschaft
ist
es
wohl
nun
ganz
aus.
Der
Hass
der
Franzosen,
jedenfalls
der
große
Prozentsatz
von
Ihnen,
muss
uns
doch
sehr
hassen.
Wenn
doch
bloß
bald
alles
vorbei
sein
würde,
damit
man
auch
noch
etwas
vom
Leben
hat.
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Russland, den 24. November 1943
Schreibe
Dir schnell ein
paar Zeilen
damit Du weißt,
dass ich noch
gesund bin. Wie
geht es Dir
liebe Mutter,
sowie Elli,
Erna u. Albert?
Der Tommy soll
ja Berlin
wieder mal
angegriffen
haben.
Hoffentlich ist
bei uns nichts
passiert, und
ihr seid alle
noch gesund,
und auf dem
Posten.
In der Hoffnung, dass es Euch allen zu Hause noch gut geht, grüßt und küsst Dich liebe Mutter, sowie Elli, Erna und Albert.
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Zeitdokumente
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Konrad
(Radl)
Siebenhorn hat
aus der
Kriegsgefangenschaft
die
Antwortkarten
aus diesen
Lagern mit nach
Hause gebracht,
trotz Verbot.
So können wir
anhand dieser
Zeitdokumente
lesen, was es
im Elternhaus
und in der
Heimat Neues
gegeben hat. Es
sind
Zeitdokumente
aus der Zeit
von 1946 bis
1948Auch lesen
wir von der
Geburt des
Stammhalters,
der am 6.8.47
geb. wurde und
den Namen
„Heinz-Konrad“
bekommen hat.
Die
Lager-Nummern
sind alle
handschriftlich
auf den
Kriegsgefangenenkarten.Die
Westregion
hatte 30
Lagerverwaltungen
mit 315
Einzellagern.Die
ersten Lager
entstanden 1944
nach dem
Zusammenbruch
der deutschen
Heeresgruppe
Mitte aus
ehemaligen
Sammellagern.
Die
Aufgaben der
Kriegsgefangenen:
Sie wurden zur
Beseitigung der
umfangreichen
Kriegszerstörungen
eingesetzt, so
u.a. beim
Straßenbau,
Häuserbau und
auch in der
Landwirtschaft.
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Die Tagesration
3 x ¾ Liter dünne Suppe
1 x ¼ Liter Brei (Kascha)
600g Brot (Chleb)
17g Zucker (ein gestrichener Eßlöffel voll)
Eine Hand voll kleiner Fische (jeden zweiten oder dritten Tag)
5 Zigaretten oder 5g Tabak oder
10g Machorka (sehr grober russischer Tabak)
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Im Felde, den 25. Dezember 1943
Auf
der
Krim
wo
Kurt
Metzer
ist
bin
ich
nicht.Ich
liege
in
der
Nähe
bei
Kriwi
-
Rog,
neben Groß - Deutschland. Am Heiligabend haben wir eine ganz kurze und stille Feier gehabt. Jeder hat zwei Kuchenrollen, eine Tafel Schokolade, über 100 Zigaretten und Bonbons bekommen. Auch Schnaps gab es, und eine Flasche Sekt. Trotzdem waren meine Gedanken bei Euch zu Hause, denn zu Hause ist es immer am schönsten bei unserem lieben Muttchen.
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Im Felde , den 5. Januar 1944
Nun
ist es wieder
soweit, dass es
morgen wieder
an die Front
geht. Der
Lehrgang bei
der Division
ist mit dem
heutigen Tag
beendet, und
morgen früh um
8.00 Uhr geht
es wieder ab
nach vorn.
Vor allem hoffe
ich, dass der
Tommys die
Schweinehunde
Euch mit den
Bomben noch
nicht belästigt
haben, und zu
Hause alles in
bester Ordnung
ist. Es wird
wohl jetzt
wieder eine
Weile dauern
ehe ich
schreiben kann,
denn vorne hat
man wenig Zeit
zum Schreiben
übrig.
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Zuverlässigkeit des Postverkehrs
„Papiersäcke
werden
zerschnitten,
Bleistifte von
der
Antifa-Geschäftsstelle
entliehen, denn
wir haben
Schreiberlaubnis.
Wie glücklich
und froh werden
sie in der
Heimat sein,
wenn sie
erfahren, dass
wir heil durch
dieses Inferno
des Krieges
kamen.
Schmerzlich ist
die
Enttäuschung,
als wir
erfuhren, dass
die
liebesvollen
Zeilen für den
Ofen der
Wachbude
bestimmt waren.“
(Achtme 1945/46, WK-008)
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