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Schütze Hans-Dietrich Hauberg:
Endstation Charkow


Vorwort
1995 kaufte ich von der Arbeitsgemeinschaft "Deutsche Feldpost 1939-1945" e. V. eine Nachlaßsammlung der Familie Hauberg aus Wilhelmshaven. Beim Durchlesen der Feldpostbriefe stellte ich fest, daß der Sohn Hans Dietrich in der Nähe von Charkow am 22.8.1943 verwundet worden und an dieser Verwundung gestorben ist.
Für mich war diese Korrespondenz deshalb so interessant, da mein Vater, Arthur Kegel, auch in Charkow eingesetzt und am 23.6.1943 im Feldlazarett 2-592 verstorben ist.
 

 

 

 


Im Osten, den 8.5.1943

Lieber Papa!
Habe Deinen Brief und die 3 Päckchen erhalten. Vielleicht hast Du inzwischen die Zigaretten und den Brief mit den Zuslassungsmarken erhalten.
Hier ist schönes Wetter.Foto

Meinen Geburtstag habe ich in Rußland verlebt. Den ganzen Tag bin ich mit dem Panjewagen getippelt. Solchen fetten Boden wie hier habe ich noch nicht gesehen, 1m tief, pech-schwarze Erde, die klebt gewaltig am Spaten.
Von Oma habe ich noch kein Päckchen erhalten. Das kommt wohl noch. Wenn Du mir öfters ein großes Päckchen schicken willst, dann mußt Du es dort einen Soldaten mit dem freien Absender geben. Der kann mir das denn ohne Zulassungsmarken schicken.

Die Wäsche waschen mir die Russenweiber, die freuen sich, wenn sie ein Stück Seife in die Finger bekommen.

Jeder Landser wartet hier auf einen Brief, Päckchen oder Urlaub. Wenn er das nicht bekommt, dann ist er nicht zu sprechen. In der Vermittlung kann man es kaum aushalten. Immer wieder die Sorgen, kommt heute noch Post.
Nun erst einmal Schluß.
Besten Gruß
Hans Dieter


Im Osten, den 7.6.1943
Lieber Papa!
Zu Deinem Geburtstag sende ich Dir die herzlichsten Glückwünsche und alles Gute im neuen Jahr.
Jetzt haben wir zwei Jahre Krieg mit Rußland. Und man sieht noch kein Ende. Heute Nacht hat es wieder georgelt. Er hat uns mit seiner Stalinorgel und seinen I.G. Geschützen beharkt. Ich habe mir den Stellungskrieg viel lebhafter vorgestellt. Am meisten wird in der Morgendämmerung geschossen.
Wo gehst Du jetzt essen? Wir haben heute Mittag Erbsen-suppe gehabt und als Tageskost Brot, zwei Löffel Marmelade und eine Dose Ölsardinen und zwei Zigaretten. Sonst bekommen wir Tilsiter Schmelzkäse, Schweizer Käse und Gummiwurst (...) so ähnlich wie Knoblauchwurst.
Die Raupenplage ist immer noch nicht vorbei.
Könnt Ihr den Russen auch immer bei den Nachrichten dazwischen brüllen hören?
Ich muß jetzt Schluß machen, da ich auf Wache ziehen muß. Und das Papier ist auch knapp.
Ich wünsche Dir alles Gute im neuen Lebensjahr.
Nun sei herzlich gegrüßt
von Deinem Hans
 


Wilhelmshaven, den 1.9.1943

Lieber Dieter!
Wir haben lange nichts von Dir gehört. Es geht wohl böse zu dort bei Euch (Charkow). Hoffentlich schlagt Ihr Euch gut durch. Wir verfolgen täglich den Bericht.
Ilse und ich waren ein paar Tage in Elmshorn. Auch das hat der Tommy böse zugerichtet. Flammweg hat auch eine Brandbombe bekommen, ist aber gelöscht worden. Willi Cleve ist auch wieder im Osten. Walter Glück war hier auf Urlaub, seine Wohnung in Stammburg ist zerstört. Stamm-burg sieht böse aus, schlimmer als Wilhelmshaven. Bei Onkel Hans war alles vorbeigegangen. Kremes Werft ist halb ausgebrannt. Auch die große Mühle von Schlüter am Hafen. Der Bahnhof ist vollständig weg
Dich haben sie wohl gerade zur rechten Zeit wieder aus dem Lazarett entlassen.
Sonst geht's uns allen gut, nur mit Ilse bin ich nicht zufrieden wegen ihres Gehörs und Gesicht.
So, laß es Dir gut gehen.
Besten Gruß
Dein Vater
 


Wilhelmshaven, den 23.9.1943

gefallen am 19.9.1943Lieber Dieter!
Wie geht es Dir? Hoffentlich wieder besser. Du mußt jetzt etwas Geduld haben. Es kommt darauf an, daß jetzt alles gut verheilt, dann hast Du später um so weniger Last davon. Und wenn Du in ein Lazarett nach Mittel- oder Süddeutschland kommst, dann werde ich Dich auch besuchen. Wir bekom-men wohl noch 4 Tage Urlaub nachgereicht, habe ich heute gehört.
Wie ist es nun mit Italien?
Hier bei uns kommen wieder neue 800 Itaker zur Arbeit. Wahrscheinlich abgebaute Soldaten.
Jetzt hat hier das naßkalte Wetter eingesetzt und wenn es so bleibt, müssen wir bald heizen.
Am 9. Sept. hätten wir 9 Jahre in der Gökerstraße gewohnt.
Nun gute Besserung und viele Grüße
Dein Vater

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